Gastbeitrag // Vorrunden Analyse der Kreisklassen A1 und A2 (Aufstiegsduelle) von Moritz Kaltwasser

Sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst möchte ich mich recht herzlich beim TSV 1947 Mannheim-Schönau für die Möglichkeit bedanken, auf der vereinsinternen Homepage meine Gedanken zur gegenwärtigen Situation im Aufstiegskampf der Mannheimer A-Klassen zu teilen. Dass der Verein außenstehenden Personen die Gelegenheit gibt, ihre Sicht der Dinge darzulegen, weiß ich sehr zu schätzen.

Die Mannheimer Kreisklassen stehen auch in der Saison 2022/2023 für mitreißenden und attraktiven Fußball. Ein Schnitt von 4,9 -(A-1) und 4,8 (A-2) Treffern pro Partie ist Ausdruck packender und unterhaltsamer Duelle, die in der Öffentlichkeit zumeist leider stiefmütterlich behandelt werden. Jeder Spieler, der wöchentlich zwei Mal zum Training erscheint und Sonntags auch bei tropischer Hitze oder sibirischer Kälte auf dem Platz steht, um in fairer Sportsmanier drei Punkte für sein Team einzufahren, verdient großen Respekt. Etliche Mannschaften verfolgen ambitionierte Ziele, die mit dem Sprung in die nächsthöhere Liga verbunden sind. Wer sich in den jeweiligen Kreisklassen schlussendlich durchsetzen wird, soll in den kommenden Zeilen erörtert werden.

Der direkte Aufstieg und die damit verbundene Meisterschaft dürfte in der Mannheimer Kreisklasse A-2 nach aktuellem Stand nur über den SC Käfertal gehen. Cheftrainer Matthias Dehoust, seit Sommer diesen Jahres Amtsinhaber, hat es verstanden, aus herausragenden Individuen eine homogene Einheit zu formen, die sowohl im Trainings- als auch im Spielbetrieb diszipliniert agiert und von größerem Verletzungspech bisher verschont geblieben ist. Diese vier Komponenten trugen in Kombination maßgeblich dazu bei, dass der SCK seine hohe fußballerische Klasse konsequent ausspielte und in puncto Konstanz der restlichen Liga um mindestens eine Nasenlänge voraus war.

Nicht nur konnten die Duelle mit den direkten Konkurrenten weitestgehend gewonnen werden, auch gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte gab sich Käfertal selten eine Blöße. Hinzu kommt, dass der souveräne Spitzenreiter wenige Schwachstellen offenbarte und seine Partien sowohl im Offensiv- wie auch im Defensivbereich gewinnen konnte. Folgende zwei Beispiele sollen dies verdeutlichen: Während Dennis Franzin und Co beim 6:4 Auswärtssieg in Ladenburg eine zweistellige Anzahl hochkarätiger Torgelegenheiten herausspielten und die Römerstädter aufgrund ihre beeindruckenden Offensivqualitäten in die Schranken wiesen, agierte der SCK vor wenigen Wochen beim damaligen Tabellenzweiten SG Mannheim vor allem defensiv meisterlich, indem er keine einzige Großchance des Gegners zuließ. Am Ende feierte Käfertal einen verdienten 2:0 Erfolg. Diese Symbiose zwischen durchschlagsfähiger

Offensivkraft und stabilem Defensivverhalten kann in der Kreisklasse A-2 kein anderes Team aufweisen

Gegenwärtig thront die Dehoust-Elf mit einem Spiel in der Hinterhand souverän an der Tabellenspitze und darf dank eines sieben Punktevorsprungs auf den Tabellenzweiten, FV 03 Ladenburg, entspannt den kommenden Partien entgegenblicken. Falls vereinsintern keine Komplikationen auftauchen, die Mannen an der Oberen Riedstraße weiterhin wenige personelle Ausfälle zu beklagen haben und diszipliniert weitergearbeitet wird, ist ein anderer Meister als der SC Käfertal nur schwer vorstellbar.

Bezüglich des ebenfalls heißbegehrten zweiten Tabellenplatzes bahnt sich jedoch ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen mehrerer Teams an, die allesamt auf einem ähnlichen Niveau zu agieren scheinen. Wer sich aus dem Quintett Ladenburg, Schönau, SG Mannheim, Feudenheim und Hemsbach1 schlussendlich durchsetzen wird, kann gegenwärtig kaum prognostiziert werden. Alle fünf Mannschaften setzten während der Saison einerseits ihre „Duftmarken“ und agierten phasenweise wie ein Kreisligaanwärter. Andererseits mussten aufgrund vorhandener Leistungsschwankungen, mangelnder Effizienz oder unglücklichen Rahmenbedingungen bittere und unerwartete Punktverluste hingenommen werden.

Erläutern lässt sich diese Wankelmütigkeit anschaulich am Beispiel TSV Schönau: Der Aufsteiger, dessen ursprüngliches Saisonziel Klassenerhalt hieß, zählt zweifelsohne zu den positiven Überraschungen dieser Spielklasse und galt vor dieser Saison folgerichtig auch nicht als potentieller Aufstiegsanwärter. Doch der TSV mauserte sich spätestens ab Mitte September zu einem Spitzenteam, sammelte fleißig Punkte und ließ vor allem bei den Galaauftritten gegen Ladenburg (3:0) und Feudenheim (2:0) aufhorchen. Spätestens nach dem souveränen Heimsieg gegen den damaligen Tabellenzweiten DJK Feudenheim richteten sich die Blicke der Schönauer nach oben. Mittelfeldstratege Emirhan Yücel gab nach Abpfiff der Begegnung selbstbewusst zu Protokoll, dass seine Mannschaft „mindestens um den Aufstieg spielen“ soll. In Anbetracht der gezeigten Leistung waren Yücels Worte keinesfalls Ausdruck übersteigerten Selbstvertrauens. Vielmehr erkannte der ehemalige Landesligaspieler, welches Potential in seinem Team schlummert und die realistische Chance des Durchmarsches in die Kreisliga gegeben ist.

Um sich für das Aufstiegsspiel gegen den Tabellenzweiten der Mannheimer Kreisklasse A-1 zu qualifizieren, müssen die Schönauer im kommenden Kalenderjahr jedoch noch mehr Konstanz in ihre Leistungen bringen und vor allem effizienter mit der Verwertung eigener Torchancen umgehen. Der fahrlässige Umgang mit hochkarätigen Gelegenheiten hat in dieser Saison bereits ein paar Punkte gekostet, beispielsweise erwiesen sich die 3:4 Pleite in Hemsbach oder das 3:3 Unentschieden beim MFC Phönix als hochgradig überflüssig. Darüber hinaus wurden Spiele trotz eindeutiger Überlegenheit unnötig lange offen gehalten. Dass der TSV Amicitia Viernheim II in der vergangenen Begegnung bis zum Abpfiff noch die realistische Chancen auf einen Punktgewinn hatte, ist einzig und allein auf Schönauer Chancenwucher zurückzuführen. Zwar konnten die Südhessen aus dem fahrlässigen Agieren des TSV kein Kapital schlagen, allerdings gibt es keine Garantie dafür, dass sich die Knoll-Elf beim Spiel mit dem Feuer eines Tages nicht die Finger verbrennen wird. Diese eben angeführten Kritikpunkte dürfen jedoch nicht die imposante Entwicklung der Schönauer schmälern.

Der TSV zählt auf mentaler Ebene zu den stärksten Teams der Liga. Die Spieler stammen nahezu allesamt aus der Schönau, haben ihre Jugend im Verein verbracht und bilden im Kollektiv eine sympathische Einheit, die dazu bereit ist in jeder Partie auch über die eigenen Schmerzensgrenzen hinauszugehen. Das Motto „einer für alle, alle für einen“ wird an der Rudolf-Maus-Straße tagtäglich ausgelebt und kann, gepaart mit der hohen spielerischen Klasse der Mannschaft, schlussendlich den Verein in die Kreisliga katapultieren. Was Menschen wie Torsten Baum (erster Vorsitzender), Roberto DeSimone (sportlicher Leiter) und Karl Heinz Steinbach (Geschäftsführender Sportvorstand) in den vergangenen Jahren auf der Schönau aufgebaut haben, verdient maximalen Respekt.

Am Ende der regulären Spielzeit wird wahrscheinlich jene Mannschaft auf dem zweiten Tabellenplatz stehen, die es versteht, konstant auf hohem A-Klassen Niveau zu agieren und vor allem gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte wenig Punkte liegen lässt. Um diese Herausforderung zu meistern, ist ein gut miteinander harmonierendes Kollektiv erforderlich, das für die Mission Aufstieg einerseits über mentale wie auch spielerisch geeignete Charaktere verfügt und andererseits von größerem Verletzungspech verschont bleibt. Für den neutralen Zuschauer versprechen die kommenden Monate in der Mannheimer Kreisklasse A-2 zumindest sehr viel Freude und Spannung.

In der Mannheimer Kreisklasse A-1 erweist sich die Gemengelage im Kampf um den Aufstieg als wesentlich unspektakulärer. Der SC Pfingstberg-Hochstätt und die TSG Rheinau gewinnen Woche für Woche ihre Partien und mussten analog zum SC Käfertal bisher nur fünf Punkte abgeben. Der Vorsprung auf den Tabellendritten, SC Olympia Neulußheim, beträgt bereits stolze neun Zähler und dürfte aus Perspektive der Verfolger nur sehr schwer zu egalisieren sein.

Auf jeden Fall kann sich der Tabellenzweite aus der Kreisklasse A-2 auf einen bärenstarken Kontrahenten einstellen, der vielleicht noch gar nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Rheinau musste in dieser Saison beispielsweise bereits viele personelle und infrastrukturelle Rückschläge hinnehmen. Doch die TSG trotzte dem großen Verletzungspech und konnte die Ausfälle des Top-Torjägers Marcel Jakubith, der mittlerweile wieder auflaufen darf, und weiteren wichtigen Akteuren wie Rico Zimmermann, Erik Leneschmidt oder Emre Sen hervorragend kompensieren. Auch die Sperre des vereinseigenen Kunstrasenplatzes und der gezwungene Umzug auf das Sportgelände des FC Badenia Hirschacker brachte den aktuellen Tabellenzweiten nicht aus dem Konzept. Die Elf des Trainerduos Niki Antos und Frank Cholewa kratzt bereits seit mehreren Jahren an der Tür zur Kreisliga und wäre für jeden Tabellenzweiten der Kreisklasse A-2 sicherlich eine hart zu knackende Nuss, selbiges gilt konsequenterweise auch für den SC Pfingstberg Hochstätt, der das direkte Duell gegen Rheinau in der Hinrunde mit 4:0 auf dem eigenen Naturrasenplatz gewinnen konnte. Ob sich am Ende der Saison Pfingstberg oder Rheinau die Meisterschaft ergattern werden, ist ebenfalls schwer zu prognostizieren. Sicherlich dürfte das direkte Duell in der Rückrunde den Charakter eines Schlüsselspiels aufweisen, doch Niki Antos verwies bereits vor dem Hinrundenspiel zurecht darauf, dass dieser Auseinandersetzung nicht zu viel Bedeutung beigemessen werden darf und die Meisterschaft kaum in einer Begegnung entschieden werden kann. Ein Zauberwort des Erfolges lautet sowohl in der Kreisklasse A-1 als auch in der A-2 Konstanz!

Auch die Mannschaft des TSG 91/09 Lützelsachsen II ist aktuell im Kampf um den zweiten Tabellenplatz in der Kreisklasse A-2 involviert. Da Lützelsachsen jedoch bereits mit einem Team in der Kreisliga vertreten ist und die Regularien es nicht zulassen, dass ein Verein mit zwei Teams in der selben Liga spielt, wurde Lützelsachsen in der Analyse nicht berücksichtigt. Diese Tatsache soll jedoch die sportliche Leistung der Bergsträßer nicht im geringsten schmälern.